Wim Wenders

Places, strange and quiet

06.10.2012 – 09.01.2013

Mit „Places, strange and quiet" präsentiert die Galerie OstLicht Arbeiten des international renommierten Regisseurs und Fotografen Wim Wenders. Die Auswahl der über vierzig großformatigen Fotografien ist zum ersten Mal in Österreich zu sehen. Die Werke der Ausstellung zeigen Aufnahmen der letzten vierzig Jahre, die auf Reisen des Künstlers nach Australien, Armenien, Japan, Italien, in die USA und in den Osten Deutschlands entstanden sind.

Wim Wenders Fotografien könnte man als eine Vermessung des Unscheinbaren bezeichnen. Es sind vor allem menschleere Plätze, verlassene, vergessene oder unbekannte Orte, die er in seinen meist großformatigen Aufnahmen zeigt. Sie verströmen eine feine Melancholie, eine Poesie des im Vergessen oder Verschwinden Begriffenen. Wenders blickt in seinen Bildern nicht auf die bekannten, tausendfach gesehenen Orte. Er möchte das „Unsichtbare“ zeigen und sucht daher das Unbekannte, das scheinbar Marginale.

Es sind die weißen Flecken auf der Landkarte, die er auf seinen Reisen entdeckt und deren Abbildung dann die Fantasie des Betrachters fordert. Mittels seiner Fotografien möchte er die Geschichte dieser Orte und Landschaften festhalten, ihnen ihre Erinnerung zurückgeben. Ein rostiges Riesenrad auf einer leeren Wiese in Armenien, ein verlassenes Freiluftkino in Palermo, ein verfallenes Haus im ehemaligen jüdischen Viertel von Berlin. Die Fotografien von Wenders sind fast immer menschenleer.
„Bei dem Riesenrad denkt man an die Pärchen, die da mal mitgefahren sind, geknutscht, gesungen und ihren Wodka getrunken haben. Sobald eine Person auf einem Bild ist, geht es nur noch um sie. Alles, was man sonst aus der Landschaft lesen kann, bezieht sich sofort auf diesen einen Menschen. Orte erzählen mehr von uns, wenn keiner von uns zu sehen ist“, sagt Wenders in einem Interview mit der ZEIT – und verrät auch die Geschichte des armenischen Riesendrades: „Früher war dort eine Sowjetsiedlung mit diesem Vergnügungspark für die Besatzer. Als Armenien unabhängig wurde, sind die Russen fast alle weggezogen.“

„Places, strange and quiet“ in der Galerie OstLicht gibt einen Eindruck von Wim Wenders’ Streifzügen durch die Welt, so wie er sie als Fotograf entdeckt.
„Wenn man viel unterwegs ist“, schreibt Wim Wenders, „wenn man gern umherstreift, um sich zu verlieren, kann man an den merkwürdigsten Orten landen. Es muss wohl eine Art eingebauter Radar sein, der mich oft in Gegenden führt, die entweder sonderbar ruhig oder auf eine ruhige Art sonderbar sind.“ Vor knapp dreißig Jahren unternahm Wenders seine erste große Fotoreise. Auf der Suche nach geeigneten Drehorten für „Paris Texas“ fuhr er durch den Westen der USA und begann dabei auch zu fotografieren. Längst hat sich die Fotografie als eigene künstlerische Richtung in seinem Schaffen etabliert.

Dabei bedient er sich – im Gegensatz zu seiner Arbeit als Filmemacher – beim Fotografieren „ganz altmodisch“, wie er sagt, der analogen Technik: „Im analogen Prozess geht meine Beziehung zum Ort weiter, bis ich, oft erst Wochen später, ein Resultat sehe. . . Die digitalen Fotografen von heute üben einen anderen Beruf aus. Sie sind ,Bildermacher’ und betreiben eine neue Art von Malerei, mit der sie, denke ich, die ,Fotografie’ hinter sich lassen. Ich freue mich (mit anderen), dass ich sie noch ausüben kann. Das ist keine Nostalgie, sondern pure Lust an der Wirklichkeit. Und ein Arbeiten gegen ihr fortschreitendes Verschwinden“, so Wenders.

Im Rahmen von EYES ON - Monat der Fotografie


Publikation zur Ausstellung:

Wim Wenders
Places, strange and quiet
Hatje Cantz, Ostfildern 2011
124 Seiten, 37 farbige Abbildungen, 8 Klapptafeln, Hardcover
ISBN 9783775731485


Zur Person Wim Wenders: mehr Information

 

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